SARS-CoV-2: Wie reagiert die Baubranche auf Corona?

März 18, 2020

8:20 am

Corona Baubranche


*Update 25.3.2020: Der Corona Virus kann nach einem Beschluss der Bundesregierung als höhere Gewalt eingestuft werden.*

*Update 23.3.2020: Bei öffentlichen Aufträgen sind erste Verschiebungen spürbar.*

*Update 20.3.2020: Das Baublatt präsentiert Schutzmaßnahmen für Baustellen .*

*Update 19.3.2020: Strabag stellt in Österreich den Baubetrieb ein*

Die Infektionszahlen steigen, Grenzen werden geschlossen, Straßen sind leergefegt: Corona legt das öffentliche Leben lahm. Während Schulen und Sportstätten bereits den Betrieb einstellen mussten, geht die Arbeit auf Baustellen (noch) weiter. Welche Auswirkungen SARS-CoV-2 auf die Baubranche hat? Wir klären die wichtigsten Fragen rund um den Virus Corona und die Baubranche und zeigen Ihnen, welche Maßnahmen jetzt helfen.

Welche Einschränkungen drohen der Baubranche?

Auch an der Baubranche geht Corona nicht spurlos vorbei. Anders als in vielen anderen Wirtschaftsbereichen, läuft der Betrieb auf Baustellen aktuell (Stand 18.03.2020) weiter. Die Lage scheint stabil. Nichtsdestotrotz sind die Auswirkungen der Epidemie auch im Baugewerbe deutlich spürbar. Eine Prognose des Informationsdienstleisters BauInfoConsult zeigt, welche Auswirkungen Corona langfristig auf die Baukonjuktur haben könnte. Bei laufenden Projekten drohen Verzögerungen im Bauablauf.

Lieferengpässe

Für Bauprojekte sind allerhand Ressourcen nötig, die in vielen Fällen aus dem Ausland bezogen werden. Während Produkte und Anlagen aus chinesischen Betrieben schon seit Monaten nicht geliefert werden können, machen zunehmende Grenzschließungen und die Einschränkung des Lieferverkehrs auch die Beschaffung innerhalb Europas zur Herausforderung.

Arbeitskräftemangel

Aufgrund des anhaltenden Fachkräftemangels, ist die Personalbeschaffung für Bauunternehmen ein Dauerproblem. Die Corona-Epidemie setzt der sowieso schon schwierigen Situation das i-Tüpfelchen auf: Einerseits besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter aufgrund von Quarantänemaßnahmen oder der eigenen Infektion ausfallen. Andererseits können viele ausländische Arbeitskräfte nicht mehr einreisen. So untersagen beispielsweise Polen, Tschechien und Dänemark die Ein- und Ausreise nach beziehungsweise von Deutschland.

„Der Ablauf auf unseren Baustellen ist weitestgehend normal“, berichtet ein Bauleiter aus München. „Unsere Subunternehmer haben jedoch mit extremen Personalengpässen zu kämpfen. Besonders im Bereich der TGA Planung setzen viele Betriebe Mitarbeiter aus dem Ausland ein, die aktuell nicht einreisen können oder wollen.“

Baustellen können nicht erreicht werden

Als ob der Mangel an Arbeitskräften und Lieferungen nicht schon genug wäre, stehen Bauunternehmen vor einem weiteren Problem: Baustellen in Krisengebieten können nicht oder wenn dann nur schwer erreicht werden. Auch wenn der Baustellenbetrieb bisher noch nicht offiziell unterbunden wurde, könnte die Abriegelung ganzer Gebiete, wie sie bereits in Italien der Fall ist, das Projekt endgültig lahm legen.

Lieferengpässe, Arbeitskräftemangel, Probleme der Erreichbarkeit: Die Corona-Krise stellt die Baubranche vor jede Menge Herausforderungen, die das Bauprojekt verlangsamen oder im schlimmsten Fall sogar stilllegen. Da Verzögerungen im Bauzeitenplan große Schäden verursachen können, stellen sich viele Bauunternehmen die berechtigte Frage: Wer haftet, wenn Leistungen nicht oder verspätet fertiggestellt werden? Wir nehmen die Rechtslage unter die Lupe!

Wie muss ich bei Verzögerungen reagieren?

Um diese Frage zu klären, gilt es die im Bauvertrag vereinbarte Regelung zu prüfen. Für gewöhnlich sind Bauvorhaben nach der VOB/B geregelt. Deshalb prüfen wir die Rechtslage im Folgenden auf Basis der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen. 

Der Paragraph, der hierbei für uns von Interesse ist, ist §6 VOB/B, der Behinderungen im Bauablauf regelt. Damit Sie sich auf diesen berufen können, müssen Sie jedoch alle Voraussetzungen des Paragraphen beachten.

Liegt eine Behinderungsvoraussetzung vor?

Der zweite Absatz des §6 VOB/B regelt die Voraussetzungen für Behinderungen. Im aktuellen Fall ist die Behinderungsvoraussetzung in §6 Abs. 2 c) VOB/B für Bauunternehmen besonders spannend: „Höhere Gewalt oder anderes unabwendbares Ereignis“. Was höhere Gewalt zu bedeuten hat?

Aus rechtlicher Sicht ist höhere Gewalt entweder ein sogenanntes „schadensverursachendes Ereignis von außen“ oder ein „Ereignis, das auch durch die äußerst zumutbare Sorgfalt weder abgewendet noch unschädlich gemacht werden kann“. Während die erste Voraussetzung zweifellos gegeben ist, muss die zweite im Einzelfall betrachtet werden. Aktuell (Stand 18.03.2020) wurde noch nicht bestätigt, dass die Krise des Corona Virus als Höhere Gewalt klassifiziert werden kann. Betrachten wir jedoch vergleichbare Fälle, unter anderem die SARS-Epidemie aus dem Jahr 2013, können wir durchaus davon ausgehen, dass Sie sich bei Corona auf Höhere Gewalt berufen könnten. In diesem Fall wäre die erste Voraussetzung für eine wirksame Behinderung erfüllt.

Wurde die Behinderung rechtskräftig angezeigt?

Damit eine Behinderung im Rechtsfall anerkannt wird, muss sie laut §6 VOB/B unverzüglich schriftlich angezeigt werden. Sie müssen in dieser Anzeige die konkreten Umstände, die in Ihrem Fall zur Behinderung geführt haben, ausführlich darlegen. Sich dabei auf die Epidemie zu stützen, genügt in diesem Falle nicht. Vielmehr müssen Sie detailliert darlegen, welche Auswirkungen die Corona-Krise in Ihrem individuellen Fall hat und wieso Sie Ihre Leistung nicht rechtzeitig erfüllen können. 

Für eine Behinderungsanzeige haben Sie die Möglichkeit, einen Brief per Einschreiben zu verschicken. Das Problem: Viele Büros sind bereits geschlossen und haben ihre Mitarbeiter ins Home Office geschickt. Der Brief bliebe somit unbeachtet. Auf der sicheren Seite sind Sie daher aktuell mit einer Bau Software. Eine App wie Capmo hilft Ihnen nicht nur, die Kommunikation zu Ihren Projektbeteiligten sicherzustellen, sondern auch, Behinderungen beweissicher, an jedem Ort zu erfassen und zu versenden.

Ist eine Ersatzbeschaffung möglich?

Sind diese beiden Voraussetzungen erfüllt, so können Sie davon ausgehen, dass Sie eine rechtskräftige Behinderung angezeigt haben. Eine letzte Voraussetzung des §6 VOB/B könnte Ihnen jedoch noch einen Strich durch die Rechnung machen: die Pflicht zur Ersatzbeschaffung. Insofern es nicht unmöglich oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist, müssen sich Auftragnehmer um Ersatzlieferungen von anderen Herstellern kümmern – auch, wenn hierfür höhere Kosten entstünden. Ob die teurere Lieferung in Anspruch genommen wird, muss der Auftraggeber entscheiden. Jedoch hat der Auftragnehmer die Pflicht, mögliche Alternativen aufzuzeigen. 

Was passiert nach der Behinderungsanzeige?

Ist die Behinderung erfolgreich angezeigt, kann die Leistung zunächst ausgesetzt werden. Dem Auftraggeber stehen weder Vertragsstrafen- oder Schadensersatzansprüche zu, noch hat er das Recht, den Vertrag zu kündigen. Sobald die Behinderung behoben wurde, müssen die Arbeiten unverzüglich wieder aufgenommen werden. Ansonsten sind Unternehmen nicht vor Vertragsstrafen geschützt. Dauert die Behinderung jedoch länger als drei Monate, hat der Auftraggeber das Recht, den Vertrag nach §7 VOB/B zu kündigen.

Wie können digitale Prozesse helfen?

Dass soziale Kontakte eingeschränkt werden, zeigt aktuell nicht nur dem Schulsystem, dass es die Digitalisierung verschlafen hat. Auch die Baubranche bekommt nun die Probleme der analogen Arbeitsweise zu spüren. Wie bereits angedeutet, können Sie sich aktuell weder darauf verlassen, Ihre Kollegen morgen auf der Baustelle anzutreffen, noch diese per Post im Büro zu erreichen. Werden Baustellen geschlossen, haben Sie keinen Zugriff auf Ihre Unterlagen im Baucontainer und können im schlimmsten Fall Ihre Behinderungsanzeige nicht vollständig einreichen, da Sie den Baufortschritt nicht zur Hand haben. 

Wie stellen Sie den Informationsfluss im Team sicher? Wie dokumentieren Sie Ihr Projekt, wenn Sie nicht vor Ort sein können? Wie garantieren Sie, dass Behinderungen Ihren Auftraggeber erreichen? Viele Fragen, die allesamt eine Antwort haben: Steuern Sie Ihre Baustelle digital!

Zugriff auf alle Informationen – immer und überall

Gerade in Krisenzeiten ist es essentiell, dass Sie Ihre Dokumente beisammen haben, um Fragen zu beantworten und Entscheider informieren zu können. Mit einer Cloud-Software wie Capmo haben Sie die wichtigsten Dokumente zum Bauprojekt jederzeit und überall griffbereit. Berichte über den Baufortschritt, Baumängel oder offene Aufgaben erstellen Sie mit einem Klick und können diese unverzüglich an das Team weiterleiten.

Digitale Baudokumentation von zu Hause – unverzüglich und beweissicher

Gerade im Fall einer Corona-Epidemie drohen schwerwiegende Verzögerungen des Bauzeitenplans. Um sich vor rechtlichen Konsequenzen zu schützen, bedarf es einer unverzüglichen und beweissicheren Dokumentation der Behinderung sowie des Zeitpunkts, an dem diese eingetreten ist. Sollten Sie Ihre Baustelle nicht mehr erreichen können, können Sie die Baudokumentation dank digitaler Tools von zu Hause abwickeln.

Kommunikation mit Ihren Projektbeteiligten – mit dem Smartphone ohne Risiko

Von vielen Bauunternehmen hören wir, dass Besprechungen bereits abgesagt wurden. Nichtsdestotrotz muss der Informationsfluss sichergestellt werden, um Unsicherheit und Panik vorzubeugen. Bestimmt fragen sich auch Ihre Mitarbeiter und Kollegen, wie lange sie noch zur Arbeit kommen und wem sie eigentlich noch glauben können. Auch hierbei können Sie auf digitale Programme zurückgreifen. Besprechungen können Sie beispielsweise über Google Hangouts, Skype oder Microsoft Teams führen. Für Absprachen zwischendurch bietet zum Beispiel Capmo die Möglichkeit, direkt mit Ihren Projektbeteiligten zu kommunizieren und diese stets auf dem aktuellen Stand zu halten.

Corona Virus Bau
Die Lage ist nicht einfach – doch lassen Sie den Kopf nicht hängen!

Welche Maßnahmen sollten Sie treffen?

Auch wenn sich die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Baubranche aktuell noch im Rahmen halten, sollten Sie sich vorbereiten und geeignete Maßnahmen treffen. Ein wichtiger Schritt ist die Digitalisierung Ihrer Prozesse. So sind Sie in Krisenzeiten gewappnet, können den Betrieb aufrechterhalten und den Informationsfluss sicherstellen. Was Sie sonst tun können? Wie sich Bauunternehmen in Österreich aufstellen, hat das Online-Magazin SOLID untersucht. Auch in der Schweiz werden bereits Schutzmaßnahmen getroffen. Wir haben uns für Sie umgehört und zeigen Ihnen, wie andere Bauunternehmen in Deutschland auf Corona reagieren. 

„So lange wir kein offizielles Statement erhalten, gehen die Arbeiten auf der Baustelle weiter. Besprechungen werden jedoch abgesagt und digital durchgeführt.“

Ein Bauleiter einer Münchner Innenausbau-Firma.

„Wir versuchen, den Ablauf so normal wie möglich abzuhalten, verzichten jedoch auf jeglichen Körperkontakt und vermeiden Nähe bei Besprechungen.“

Gregor Bierzynski, Bauleiter bei Zech Bau SE.

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Nein, ich bleibe lieber in der Steinzeit.