VOB Gewährleistung: Alles zu Gewährleistungen und Verjährungsfristen am Bau

Gewährleistung nach VOB 2019

VOB Gewährleistung: Dieses Thema spielt für alle Baubeteiligten eine entscheidende Rolle, denn die Beseitigung von Mängeln kann Architekten und Ingenieure bzw. Bauherrn teuer zu stehen kommen. In der Gewährleistungsphase sollten Mängel entdeckt und beseitigt werden, um spätere Zivilprozessen zu vermeiden. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Infos zur Gewährleistung nach VOB zusammen, damit die nächste Gewährleistungsfrist sicher über die Bühne geht. 

Was bedeutet Gewährleistung?

Nach Fertigstellung und Abnahme beginnt die Verjährungsfrist für Mängelansprüche – häufig auch Gewährleistungsfrist genannt. Der geschlossene Vertrag geht damit von der Erfüllungs- in die Gewährleistungsphase über, in dieser muss der Auftragnehmer gegenüber dem Auftraggeber sicherstellen, dass die Leistungen einwandfrei ausgeführt wurden. Auftragnehmer stehen damit in der Gewährleistungspflicht, für die der Gesetzgeber eine Frist von fünf Jahren einräumt, um etwaige Mängel zu beseitigen.

Gewährleistung meint also nichts anderes als Mängelhaftung: Werden bei der Abnahme Mängel entdeckt, hat der Auftraggeber einen Anspruch auf Nachbesserung. Der Auftragnehmer ist verpflichtet, diesem nachzukommen und die Mängel zu beseitigen. Dieser Forderung muss der Auftragnehmer nicht mehr nachkommen, wenn der Mängelanspruch verjährt ist. Unser Infografik veranschaulicht die beginnende Gewährleistungsphase:

Gewährleistung nach VOB Vorgehensweise

Gewährleistungs- und Verjährungsfristen am Bau sind für Auftraggeber und Auftragnehmer gleichermaßen wichtig. Die BGB bzw. VOB Gewährleistung schützt den Bauherren vor unliebsamen Folgen einer nicht richtig ausgeführten Arbeit oder eines nicht funktionsfähigen Produktes. Auf der anderen Seite steht der Auftragnehmer innerhalb vereinbarter Pflichten zwar in der Pflicht, die Mängel zu beseitigen, kann sich durch die gesetzlichen Regelungen aber auch vor verspäteten Ansprüchen und Zivilprozessen schützen.

Gewährleistungsfristen: Was gibt es zu beachten?

Die Gewährleistung beginnt erst, nachdem die eigentlichen Bauarbeiten vollständig abgeschlossen wurden. In der Regel werden aber schon während der Bauphase Mängel entdeckt – diese müssen aufgenommen, verteilt und letztendlich abgearbeitet werden, damit einer Abnahme nichts mehr im Wege steht. Erst nach der erfolgreichen Bauabnahme beginnt die Gewährleistung. Die folgende Grafik fasst die Gewährleistungsfristen nach VOB/B (auch VOB Gewährleistung genannt) zusammen:

VOB Gewährleistung Überblick
Der Auftraggeber kann Nachbesserungen nur vom Auftraggeber verlangen, wenn er innerhalb der Gewährleistungsfrist darauf hinweist. Dafür muss er eine sogenannte Mängelrüge senden, die nicht nur den gerügten Mängel aufführt, sondern auch eine Frist zur Beseitigung nennt. Welche Regeln und Vorschriften für diese Fristen gelten, hängt davon ab, ob sich die Gewährleistung nach VOB oder BGB richtet.

VOB Gewährleistung vs. BGB: Welche Regelungen gelten?

Dass sich private Bauverträge nach dem Werkvertragsrecht des BGB, öffentliche Bauverträge nach VOB richten ist entscheidend – denn die Regelungen der Gewährleistung sind grundsätzlich unterschiedlich. Haben sich die Parteien wirksam auf VOB/B als Vertragsgrundlage geeignet, sieht die VOB Gewährleistung für Werkleistungen bei Bauwerken eine Gewährleistungsfrist für vier Jahre vor, für andere Leistungen zwei Jahre.

Die VOB Gewährleistung unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von den Regelungen im BGB. Besonders gilt es bei der Gewährleistung nach VOB auf folgende vier Punkte zu achten:

  • Zusätzliche Sonderregelungen für die Abnahme (förmliche, fiktive) in § 12
  • Regelung der Mängelansprüche (vor Abnahme in §4 Abs. 7, nach Abnahme in § 13), wobei im Gegensatz zum BGB die Mängelbeseitigung im Vordergrund steht und das gesetzliche Rücktrittsrecht ausgeschlossen ist
  • Kürzere Verjährungsfrist für Mängelansprüche bei Bauwerken von 4 Jahren (§ 13 Abs. 4),
  • Unterbrechung der Verjährung für Mängelansprüche durch schriftliche Mängelrüge des Auftraggebers (§ 13 Abs. 5 Nr. 1),

Folglich sollten Sie sich rechtzeitig klarmachen, nach welchem Gesetzestext die Gewährleistung in Ihrem Vertrag geregelt ist. Mehr über die Unterschiede zwischen VOB/B und BGB, erfahren Sie in unseren Artikel zum Mängelmanagement.

Verjährungsfristen nach VOB

Unsere Grafik zeigte: In der VOB ist Verjährungsfrist nicht gleich Verjährungsfrist. Die grundsätzliche Verjährungsfrist von 4 Jahren kann sich je nach Vertragsgegenstand ändern. Denn, geht es um weniger schadensträchtige Gewerke – zum Beispiel Malerarbeiten – kann auch eine zweijährige Frist reichen. Diese zwei Jahre gelten auch, wenn die Mangelfreiheit nur durch eine regelmäßige Wartung garantiert werden kann – zum Beispiel bei elektronischen Anlagen. Bei industriellen Feuerungsanlagen gilt sogar nur eine einjährige Verjährungsfrist.

Nachdem ein Mangel vom gerügt, erfolgreich beseitigt und abgenommen wurde, beginnt für diese neue Leistung eine eigene Verjährungsfrist von zwei Jahren. Diese kann allerdings nicht vor Ablauf der Regelfristen oder der vereinbarten Verjährungsfristen enden. Unabhängig davon werden die Auftraggeber vor arglistig verschwiegenen Mängeln geschützt. Ist dies nachweisbar der Fall, gilt die regelmäßige Verjährungsfrist von 30 Jahren.

Um keine kostbare Zeit verstreichen zu lassen, sollten auch die Auftragnehmer darauf bedacht sein, sich nach einer fristgerechten Mängelrüge auch die beseitigten Mängel zeitnah vom Auftraggeber als beseitigt bestätigen zu lassen.  Anderenfalls läuft der Auftragnehmer Gefahr, dass die Gewährleistungsfrist nicht oder erst später weiterläuft. 

Wer schreibt, der bleibt: Mit Bausoftware die Gewährleistung vereinfachen

Auch wenn es derart klare Regeln gibt, kommt es bei der Gewährleistung immer wieder zu Streit. Der Grund liegt oft in einer mangelhaften Baudokumentation, in der eine strukturierte, nachvollziehbare Mängeldokumentation zu kurz kommt. Denn es gilt: Bis zur Abnahme hat der Auftragnehmer nachzuweisen, dass sein Werk frei von Baumängeln ist. Ab der Abnahme hat der Auftraggeber bzw. Bauherr im Streitfall darzulegen, dass ein Baumangel besteht. Recht bekommt also immer der, der am besten dokumentiert hat.

Oder wie es am Bau heißt: Wer schreibt, der bleibt! Die aufwändige Baudokumentation erleichtern Sie sich mit intelligenter Bausoftware, in der Sie die rechtssichere Dokumentation von Baufortschritt, Mängeln und deren Beseitigung für spätere Streitfälle immer greifbar haben. Mit Capmo schützen sich auch vor kostspieligen Haftungsrisiken: Wenn Sie beispielsweise durch eine saubere Dokumentation, bei der Sie Fotos in entsprechenden Dokumenten verorten, zeigen können, dass ein Mangel auf die Anordnung des Auftraggebers zurückzuführen ist, können Sie die Haftung ausschließen und tausende Euros sparen.

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