Gewährleistung und Verjährungsfristen nach VOB 2019: Alles zur Gewährleistung am Bau

Gewährleistung nach VOB 2019

Das Thema Gewährleistung (auch Mängelhaftung genannt) spielt für alle Baubeteiligten eine entscheidende Rolle. Nicht selten zeigt sich erst in der Gewährleistung: Hat sich ein Projekt für mich gelohnt, läuft die Gewährleistungsfrist ab, ohne dass ich jemals Probleme hatte oder zerfressen mir die Nacharbeiten den Magen? Die Gewährleistungsphase bietet ein erhebliches Risiko, denn später entdeckte Mängel nicht selten zu Zivilprozessen. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Infos zur Gewährleistung nach VOB zusammen, damit die nächste Gewährleistungsfrist sicher über die Bühne geht. 

Was sind Gewährleistungspflichten?

Jeder redet darüber, wie wichtig Gewährleistung und Mängelhaftung sind. Doch was bedeutet es genau? In einfachen Worten: Gewährleistungspflicht bedeutet, dass der Auftragnehmer gegenüber dem Auftraggeber sicherstellen muss, dass die Leistungen einwandfrei ausgeführt wurden. Ist dies nicht der Fall, hat der Auftraggeber einen Anspruch auf Nachbesserung. Der Auftragnehmer ist verpflichtet, dem nachzukommen; tut er dies nicht, hat der Auftraggeber Anspruch auf Ersatz der Aufwendungen, kann vom Vertrag zurücktreten, den Rechnungsbetrag mindern oder Schadensersatz fordern.

Gewährleistung nach VOB Vorgehensweise
Derartige Nachbesserungen kann der Auftraggeber nur vom Auftraggeber verlangen, wenn dieser innerhalb der Gewährleistungsfrist darauf hinweist. Welche Regeln und Vorschriften für diese Fristen gelten, hängt davon ab, ob sich die Gewährleistung nach BGB oder VOB richtet.

Gewährleistung nach VOB oder BGB?

Grundsätzlich richten sich private Bauverträge nach dem Werkvertragsrecht des BGB, während öffentliche Bauverträge nach VOB ausgelegt sind – dabei unterscheidet sich die Regelung der Gewährleistung grundsätzlich. In diesem Artikel geht es um die Gewährleistung nach §13 VOB/B. Dort sind alle Themen wie Abnahme, Gewährleistung und Mängelansprüche von Bauleistungen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer genau geregelt. Lesen Sie unseren Artikel zur Reform des Bauvertragsrechts, wenn Sie sich zu den Regelungen der Gewährleistung nach BGB informieren wollen.

In einem ersten Schritt sollten Sie sich also klarmachen, nach welchem Gesetzestext die Gewährleistung in Ihrem Vertrag geregelt ist. Auf folgende vier Dinge sollten Sie besonders achten, wenn die Gewährleistung nach VOB vereinbart ist. Denn hier gelten abweichend vom BGB:
  • Zusätzliche Sonderregelungen für die Abnahme (förmliche, fiktive) in § 12
  • Regelung der Mängelansprüche (vor Abnahme in §4 Abs. 7, nach Abnahme in § 13), wobei im Gegensatz zum BGB die Mängelbeseitigung im Vordergrund steht und das gesetzliche Rücktrittsrecht ausgeschlossen ist
  • Kürzere Verjährungsfrist für Mängelansprüche bei Bauwerken von 4 Jahren (§ 13 Abs. 4),
  • Unterbrechung der Verjährung für Mängelansprüche durch schriftliche Mängelrüge des Auftraggebers (§ 13 Abs. 5 Nr. 1),

Von der Bauabnahme in die Gewährleistung: Überblick zur Gewährleistung nach VOB/B

Die Gewährleistung beginnt erst, nachdem die eigentlichen Bauarbeiten vollständig abgeschlossen wurden. In der Regel werden aber schon während der Bauphase Mängel entdeckt – diese müssen aufgenommen, verteilt und letztendlich abgearbeitet werden, damit einer Abnahme nichts mehr im Wege steht. Erst nach der erfolgreichen Bauabnahme beginnt die Gewährleistung. Die folgende Grafik fasst die Gewährleistungsfristen nach VOB/B (auch VOB Gewährleistung genannt) zusammen.

VOB Gewährleistung Überblick

Verjährungsfristen nach VOB - Unterschiede je nach Vertragsgegenstand

Die Grafik zeigt: In der VOB ist Verjährungsfrist nicht gleich Verjährungsfrist. Grundsätzlich liegt die Verjährungsfrist bei 4 Jahren, kann sich aber je nach Vertragsgegenstand ändern. Geht es um weniger schadensträchtige Gewerke – zum Beispiel Malerarbeiten – kann auch eine zweijährige Frist reichen. Zwei Jahre gelten auch, wenn die Mangelfreiheit nur durch eine regelmäßige Wartung garantiert werden kann – zum Beispiel bei elektronischen Anlagen. Bei industriellen Feuerungsanlagen gilt sogar nur eine einjährige Verjährungsfrist.
Nachdem ein Mangel erfolgreich gerügt, beseitigt und abgenommen wurde, startet für diese neue Leistung eine eigene Verjährungsfrist von zwei Jahren. Diese kann allerdings nicht vor Ablauf der Regelfristen oder der vereinbarten Verjährungsfristen enden. Unabhängig davon werden die Auftraggeber vor arglistig verschwiegenen Mängeln geschützt. Ist dies nachweisbar der Fall, gilt die regelmäßige Verjährungsfrist von 30 Jahren.

Wer schreibt, der bleibt: Mit Bausoftware die Gewährleistung vereinfachen

Auch wenn es derart klare Regeln gibt, kommt es bei der Gewährleistung immer wieder zu Streit. Der Grund liegt oft in einer mangelhaften Baudokumentation, in der eine strukturierte, nachvollziehbare Mängeldokumentation zu kurz kommt. Denn es gilt: Bis zur Abnahme hat der Auftragnehmer nachzuweisen, dass sein Werk frei von Baumängeln ist. Ab der Abnahme hat der Auftraggeber bzw. Bauherr im Streitfall darzulegen, dass ein Baumangel besteht. Recht bekommt also immer der, der am besten dokumentiert hat.

Oder wie es am Bau heißt: Wer schreibt, der bleibt! Die aufwändige Baudokumentation erleichtern Sie sich mit intelligenter Bausoftware, in der Sie die rechtssichere Dokumentation von Baufortschritt, Mängeln und deren Beseitigung für spätere Streitfälle immer greifbar haben. Mit Capmo schützen sich auch vor kostspieligen Haftungsrisiken: Wenn Sie beispielsweise durch eine saubere Dokumentation, bei der Sie Fotos in entsprechenden Dokumenten verorten, zeigen können, dass ein Mangel auf die Anordnung des Auftraggebers zurückzuführen ist, können Sie die Haftung ausschließen und tausende Euros sparen.

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