Mängelmanagement: Wie Sie durch Bausoftware Mängel reduzieren

Es ist eine essentielle Aufgabe jeden Bauleiters: das Mängelmanagement auf der Baustelle. Leider gehört es in Deutschland auch zum Alltag, dass das Ganze noch analog mit Stift und Papier passiert. Das geht im digitalen Zeitalter besser und effizienter, und zwar mit der richtigen Software für Mängelmanagement. In diesem Artikel gehen wir auf die Punkte ein, die Ihnen dazu verhelfen Ihr Mängelmanagement zu optimieren.

Stift, Papier, Zollstock, Grundriss, Fotoapparat – Haben Sie alles für Ihr Mängelmanagement eingepackt? Dann kann die Besichtigung der Baustelle ja losgehen! Baumängel werden fotografiert, vermessen und handschriftlich notiert, um sie später in einer detaillierten Baudokumentation zusammenzuführen und dann die Aufträge für die notwendigen Nachbesserungen zu erteilen. Das ist auch bitter nötig, denn wie zäh die Arbeit des Mängelmanagements sein kann, weiß der aktuelle Geschäftsführer am Berliner Flughafen, Engelbert Lütke-Daldrup:

"Das ist das Drama dieser Baustelle, dass wir 170.000 Mängel hatten - jetzt haben wir noch 13.000. Aber das Abarbeiten dieses gewaltigen Mängelkataloges, das ist eine sehr kleinteilige Arbeit und die hat so viel Zeit gekostet.“

Natürlich, der Berliner Flughafen ist ein extremes Beispiel. Aber eine technologische Unterstützung macht bei der Baudokumentation so gut wie immer Sinn, denn jedes Bauvorhaben ist in der Regel hochkomplex. Dafür sorgt die Vielzahl an Projektbeteiligten sowie die Flut an Daten, seien es Bauplan (inkl. zahlreicher Planstände), Fotos oder Notizen. Bei alldem gilt: Errare humanum est. Irren ist menschlich – auch auf der Baustelle.

Sie können also davon ausgehen, dass es auf Ihrer Baustelle Mängel geben wird. Was aber einen guten von einem mittelmäßigen Bauleiter unterscheidet, ist das Danach: Wie geht er mit den Mängeln um? Und wie sorgt er dafür, dass sie effizient aus dem Weg bzw. von der Baustelle geräumt werden? Um Ihnen diesen Prozess zu erleichtern, geben wir Ihnen am Ende des Artikels unsere Checkliste für ein optimales Vorgehen beim Mängelmanagement an die Hand. Zunächst klären wir, wie genau Baumängel in der deutschen Gesetzgebung definiert sind

BGB vs. VOB/B – Mängel im deutschen Gesetz

Sicher haben auch Sie es in der Schule gelernt: Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt, wie ein Werkvertrag abgewickelt wird (§§631 ff. BGB) und wann man einen Sach- oder Rechtsmangel beanstanden darf (§633 BGB):

Das Werk ist frei von Sachmängeln, wenn es die vereinbarte Beschaffenheit hat. Soweit die Beschaffenheit nicht vereinbart ist, ist das Werk frei von Sachmängeln, (1) wenn es sich für die nach dem Vertrag vorausgesetzte, sonst (2) für die gewöhnliche Verwendung eignet und eine Beschaffenheit aufweist, die bei Werken der gleichen Art üblich ist und die der Besteller nach der Art des Werkes erwarten kann.

§633 BGB

Das Problem: Das BGB kommt in jeder Industrie zum Einsatz und machte lange keinen Unterschied zwischen beispielsweise einem Friseurbesuch und dem Verlegen einer Fußbodenheizung auf einer Baustelle. Eine Reform des Baurechts schuf am 01.01.2018 Abhilfe und nahm neue Paragrafen in das BGB auf (§§ 650a ff. BGB) – zur rechtlichen Definition des Bauvertrags sowie zu gesonderten Rechte und Pflichten der Projektbeteiligten. Dies zog auch Änderungen in der Mängelhaftung nach sich.

Die Alternative zum BGB als Rechtsgrundlage für einen Bauvertrag ist die sogenannte „Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil B“ – kurz VOB/B. Dabei handelt es sich um ein sehr detailliertes Regelwerk, dass der Deutsche Vergabe- und Vertragsausschuss für Bauleistungen auf Grundlage des BGB entwickelt hat. Wer einen neuen Bauvertrag aufsetzt, kann sich also entscheiden, ob dieser auf die rechtlichen Bestimmungen des BGB oder des VOB/B verweist.

Hierbei gilt es die Unterschiede genau zu kennen! Ein Beispiel: Der §13 VOB/B regelt Mängelansprüche und legt eine Verjährungsfrist von 4 Jahren fest – im § 633 BGB liegt diese allerdings bei 5 Jahren. Bei arglistig verschwiegenen Mängeln greifen übrigens die Paragrafen §195 BGB und §199 BGB: Nach Bekanntwerden eines verschwiegenen Mangels, startet eine neue Verjährungsfrist von 3 Jahren – es sei denn, es sind bereits 10 Jahre seit der Fertigstellung vergangen.

Egal ob sich Ihr Bauvertrag auf BGB oder VOB/B beruft, grundsätzlich gilt: Auch wenn da Ergebnis handwerklich einwandfrei ist, müssen im Vertrag festgehaltene Vereinbarungen eingehalten werden. Wurde beispielsweise anderes Material eingesetzt als vereinbart wurde, liegt auch hier ein Mangel vor. Dies gilt ebenso, wenn beispielsweise Änderungen mit dem Bauherren abgesprochen, aber nicht dokumentiert wurden und es später zu Streitigkeiten kommt. Daher sollte die Baudokumentation im Interesse aller so detailiert wie möglich sein.

Achtung! Die Anwendung der VOB/B ist derzeit mit Vorsicht zu genießen, da sie immer noch nicht an die BGB-Reform des Baurechtes angepasst wurde. Dies ist hochproblematisch, da die VOB/B ständig auf das BGB verweist. Experten raten bis zu einer Aktualisierung von der pauschalen 1:1-Anwendung ab.

Häufige Mängel in der deutschen Bauindustrie

Eines steht fest: Kaum jemand will gerne einen Streit vom Zaun brechen und von den Gesetzen Gebrauch machen. Vermeiden lässt es sich aber nicht, denn: Fehlerfreies Bauen ist in Deutschland Fehlanzeige! Das belegt die Erhebung des Instituts für Bauforschung e.V. (2015), wonach sich die Bauschäden und damit verbunden Kosten in Deutschland vom Jahr 2002 zum Jahr 2013 mindestens verdoppelt haben. Als Datengrundlage wurden die bei der AIA AG gemeldeten Berufshaftpflichtschäden herangezogen.

Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Schadenszahlen nach dem Jahr 2013 stark zurückgegangen sind. Denn die Industrie erlebte einen Bauboom und arbeitet seither am Limit – mit einer immensen Nachfrage und unter ständigem Zeitdruck. Dies zeigte der Fall BER deutlich: Subunternehmer arbeiteten mit alten Planungsständen weiter, nur um irgendwie innerhalb einer völlig unrealistischen Deadline fertig zu werden. Da sind Fehler vorprogrammiert.

Die Hauptgründe für Baumängel sind

  • mangelhafte Kommunikation
  • unzureichende Baudokumentation
  • fehlerhafte Planung und Ausführung
  • fehlende ordnungsgemäße Bauüberwachung

In diesen Punkten liegt ursächlich für die Steigerung der Bauschadenzahlen. Es ist folglich davon auszugehen, dass prinzipiell das Verhalten aller Baubeteiligten zur festgestellten Steigerung der Bauschadenzahlen und der Bauschadenkosten beiträgt. In diesem Zusammenhang ist insbesondere das Koordinations- und Kommunikationsverhalten der Baubeteiligten zu nennen, welches dringend verbessert werden sollte (Institut für Bauforschung e.V., 2015). Doch können diese Fehlerquellen durch den Einsatz digitale Lösungen wie einer Mängelmanagement Software drastisch verbessert werden. 

Ihre Checkliste für ein optimales Mängelmanagement

Das A und O für ein effektives Mängelmanagement ist ein standardisierter Prozess bei der Baudokumentation. Denn so behalten nicht nur Sie persönlich den Überblick, sondern stärken auch Ihre Rechenschaft im Fall eines Rechtsstreites. Sobald Sie Baumängel entdecken, sollten Sie an folgende vier Schritte denken:

1.

Was genau ist falsch gemacht worden?
Erstellen Sie eine detaillierte Beschreibung des Mangels und dokumentieren Sie diesen mit Fotos. Ergänzen Sie die Beschreibung ggf. um den Wortlaut der vereinbarten Beschaffenheit im Bauvertrag

2.

Was ist nötig, um den Mangel zu korrigieren?
Erstellen Sie eine klare Arbeitsanweisung mit allen notwendigen Informationen, um den Mangel zu beseitigen. In einer Mängelmanagement Software können Sie dafür ein sogenanntes Ticket erstellen.

3.

Wer ist verantwortlich?
Geben Sie die Arbeitsanweisung an den verantwortlichen Handwerker weiter bzw. weisen Sie ihm das erstellte Ticket zu.

4.

Wo genau auf der Baustelle ist der Mangel zu finden?
Um die Nachbesserung des Mangels zu überprüfen, sollten Sie den Standort im aktuellen Bauplan festhalten.

Die Lösung: Wie Sie mit Bausoftware Mängel reduzieren

Mit einer Bausoftware für Mängelmanagement können diese Schritte digital erledigt und dokumentiert werden – für  effizienteres Arbeiten und reduzierte Baumängel. Die Vorteile von CAPMO sind im Vergleich zu der traditionellen Baudokumentation deutlich erkennbar:

  • Aufgaben und Mängel aufnehmen
Auf der Baustelle können Sie schnell und einfach Aufgaben und Mängel aufnehmen, dokumentieren und Fristen setzen. Die Aufnahme von Mängeln oder Aufgaben nimmt dabei nur wenige Sekunden Ihrer Zeit in Anspruch.
  • Fotos verorten
Zu jedem Mangel können Sie per Smartphone oder Tablet direkt Fotos aufnehmen und in der Software abspeichern. Diese sind zusätzlich automatisch in dem entsprechenden Bauplan verortet und für alle Projektbeteiligten einsehbar.
  • lückenlose Dokumentation
Durch die direkte Aufnahme und Zuweisung von Mängeln oder Aufgaben sind Sie in der Lage eine, schnelle, lückenlose und rechtssichere Mängeldokumentation zu erstellen. Diese kann anschließend verschickt oder exportiert werden.

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