Stufenplan Digitales Bauen und Planen: Was Sie bis 2020 erledigen müssen

Stufenplan Digitales Bauen und Planen

In diesem Artikel erklären wir, was es mit dem Stufenplan Digitales Bauen und Planen auf sich hat und welche Folgen dieser für die Baubranche haben wird. Erfahren Sie von uns, was Sie bis 2020 erledigen müssen, um auf die BIM vorbereitet zu sein.

"Wir starten eine Offensive zur Digitalisierung der Baubranche. Wir wollen das digitale Planen und Bauen bundesweit zum Standard machen."

Mit diesen Worten präsentierte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Jahre 2015 den sogenannten “Stufenplan Digitales Planen und Bauen”. Ziel ist es, Definitionen für ein gemeinsames Verständnis des Building Information Modeling (BIM) bereit zu stellen und Anforderungen klar festzuhalten. Aber was beinhaltet der Stufenplan eigentlich und was bedeutet er für die Baubranche? Diese und mehr Fragen haben wir im Folgenden für Sie beantwortet.

Was ist der Stufenplan?

Der Stufenplan beschreibt ein Modell, das einen Ablauf zur Anwendung des digitalen Planens und Bauens darstellt. Er fordert Auftraggeber (AG) und Arbeitnehmer (AN) gleichzeitig dazu auf, diesem Ablauf zu folgen und die Anforderungen umzusetzen. Durch Mindestkriterien, die für ein Leistungsniveau zur Arbeitsmethode BIM festgelegt werden, soll ein einheitlicher Prozess geschaffen werden. Mit einem Zeitplan gibt er die Schritte vor, um Niveau 1 erfolgreich erreichen zu können.

BIM Stufenplan 2020

Wer hat den Stufenplan entworfen?

Die Entwicklung des Stufenplans wurde vom BMVI an die “planen-bauen 4.0 Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH” (planen-bauen 4.0) in Auftrag gegeben. Sie besteht aus Verbänden der Planungs- und Bauwirtschaft und ist somit eine nicht-staatliche Institution. Dank planen-bauen 4.0 sind in der Entwicklung des Stufenplans Vertreter aller Branchen der Bauwirtschaft, sowie öffentliche und private Bauherrn beteiligt.

Was beinhaltet der Stufenplan Digitales Bauen und Planen?

Der Stufenplan ist in drei Schritte gegliedert. In der ersten Stufe (2015-2017) wird die Vorbereitungsphase definiert, in der die ersten Pilotprojekte durchgeführt und Standardisierungsmaßnahmen getroffen werden. Gleichzeitig sollen Akteure besser aus- und weitergebildet werden, um auf die Wandlung vorbereitet zu sein. In der zweiten Stufe (2017-2020) wird die Pilotphase erweitert. Rechtliche Fragen sollen geklärt und BIM-Leitfäden entwickelt werden, um die Prozesse im Lebenszyklus eines Bauwerks effektiver zu gestalten. Die dritte Stufe sieht eine breite Implementierung des Leistungsniveaus 1 vor, sodass sich jedes neue infrastrukturbezogene Bauprojekt auf diesem Niveau bewegen muss.

BIM Leistungsniveau 1

Was bedeutet das Leistungsniveau 1?

Mit dem Leistungsniveau 1 werden bestimmte Anforderungen an die Projekte und ihre Auftraggeber gestellt:

  • Erstellen der “Auftraggeber-Informations-Anforderungen” (AIA)

In der AIA legt der AG seine Anforderungen an den AN fest. Sie beinhalten den Informationsbedarf des AG und beschreiben, welche Daten in welchem Umfang von den jeweiligen Planern zu einem bestimmten Zeitpunkt geliefert werden sollen.

  • Fachmodellbasiertes Arbeiten

Das Fachmodellbasierte Arbeiten erfordert, dass jede Fachplanung ihr eigenes Modell erstellt und daran arbeitet. Die Konsistenz der einzelnen Modelle wird durch Prüfungen an einem Koordinationsmodell vorgenommen. Die Abgaben der jeweiligen Leistungen erfolgen dadurch in digitaler Form.

  • Herstellerneutrale Datenformate

Die vom AG geforderten Daten sollen in herstellerneutralen Formaten geliefert werden müssen. Dies ermöglicht einen reibungsfreien Datenaustausch zwischen den verschiedenen Parteien, da jedes Dokument von unterschiedlichen Programmen geöffnet werden kann ohne das Informationen verloren gehen.

  • BIM als Planungsinstrument im Vertrag

Die Anwendung von BIM soll explizit in den verschiedenen Verträgen erwähnt werden.

  • Definieren eines “BIM-Abwicklungsplans” (BAP)

Der BAP, auch “BIM-Projektabwicklungsplan” oder “BIM Execution Plan” genannt, wird auf Basis der AIA definiert. Er definiert die BIM-Ziele, sowie organisatorische Verantwortlichkeiten und Strukturen und legt die Leistungen und Anforderungen an Software und Datenaustausch fest.

  • Gemeinsame Datenumgebung

Eine gemeinsame Datenumgebung fördert einen verlustfreien Datenaustausch und organisiert die Aufbewahrung der ausgetauschten Daten. Dadurch wird sichergestellt, dass keine Informationen verloren gehen und dass sie beispielsweise auch nach Fertigstellung des Objekts organisiert auffindbar sind.

Bislang fehlt die Standardisierung der einzelnen Prozesse, wodurch auch keine Muster für Dokumente wie der AIA oder BAP vorhanden sind. Seit Ende des Jahres 2017 befasst sich der VDI mit dieser Aufgabe und arbeitet an dem Blatt 10 der Richtlinie VDI 2552 (Siehe auch: Aufruf des VDI).

Und wo befinden wir uns? Momentan befinden wir uns momentan in Schritt 2, der erweiterten Pilotphase, nachdem die Vorbereitungsphase mit vier Pilotprojekten erfolgreich abgeschlossen wurde. Auf Basis der bis Ende 2018 gewonnenen Erkenntnisse sollen nun weitere Initiativen zu Umsetzungen gestartet werden. Ein wesentlicher Aspekt ist hierbei die Nutzung der digitalen Modelle über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks hinweg sowie eine bessere Vernetzung von Daten. Gleichzeitig wird ausgearbeitet, wie es weiter geht. Konkret: Wie soll das nächste Leistungsniveau aussehen, was soll es beinhalten, um die gesetzten Ziele zur Digitalisierung erreichen zu können?

Was bedeutet der Stufenplan für die Baubranche?

Auch wenn es auf dem ersten Blick nicht so scheint, ist der Stufenplan an alle Akteure der Bauwirtschaft gerichtet. Das Ziel, nämlich die Einführung von digitalen Methoden in der gesamten Wertschöpfungskette eines Bauwerks zu erreichen, wird angegangen, indem zunächst konkret Infrastrukturprojekte adressiert werden. Doch langfristig führt auch in anderen Bereichen kein Weg an der Digitalisierung vorbei. Mit dem Stufenplan werden Erfahrungen gesammelt und Standards geschaffen, von denen am Ende nicht nur die öffentliche Hand oder der Straßen- und Tunnelbauer, sondern die gesamte Baubranche profitieren wird. Der BMVI bereitet den Weg zur Digitalisierung vor und fordert Auftraggeber und -nehmer dazu auf, diesen gemeinsam zu beschreiten.

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